2013 Holzers Peepshow

HOLZERS PEEPSHOW von Markus Köbeli
Holzers Peepshow passt in unsere Zeit, in welcher man sich in vielen Bereichen Gedanken zur Schweiz macht: Teurer Schweizer Franken, Euro-Krise, Tourismus, Globalisierung, Anpassung an neue Gegebenheiten, Bankgeheimnis, Ausländerprobleme, Steuerabkommen, Druck aus dem Ausland, und vieles mehr.
Das Stück zeigt, wie einfallsreich Schweizer sein können, wenn es darum geht, die Kasse zum Klingeln zu bringen. Es zeigt aber auch, dass die „Heile Welt“ nicht immer heil bleibt, wenn man keine Sorge zu ihr trägt. Vielleicht lässt uns Holzers Peepshow wieder einmal darüber nachdenken, was das Schweizerkreuz bedeutet.
Inhalt:
Die Bauernfamilie Holzer hat Existenzsorgen. Die Landwirtschaft rentiert nicht mehr. Der Skilift, der dem Vater jeden Winter einen Nebenverdienst sicherte, wird automatisiert. Vom Tourismus können Holzers auch nicht profitieren. Ihr Hof liegt zwischen Tal- und Bergstation, und die Busse nutzen den kurzen Halt in ihrer Gegend meist nur für einen „Technischen Halt“. So kommen Holzers eines Tages auf die Idee, den Touristen etwas Geld abzuluchsen, indem sie ihnen eine Peepshow vorführen: Bei Geldeinwurf geht der Vorhang auf und gibt den Blick in die gute Stube frei! Zu ihrem eigenen Erstaunen haben sie Erfolg damit. Das Kässeli füllt sich von Tag zu Tag mehr. Doch das Geld verändert auch den vermeintlich idyllischen Alltag der Familie. Bald ist es bei ihnen nicht mehr, wie es einmal war. Indem sie sich dem Publikumsgeschmack anpassen, entblössen sie sich und ihre heile Welt immer mehr.
Markus Köbelis Farce bringt das Publikum trotz ernstem Thema durch sprühenden Witz und sarkastischen Humor zum Lachen. Holzers Peepshow ist eine absurde Geschichte über die Schweizer Identität im Zeitalter von Ballenberg, Big Brother, Sahlenweidli und Strukturwandel.
Der Author: Markus Köbeli wurde am 20. Januar 1956 in Bern geboren.
«Lachen verleitet bekanntlich dazu, etwas nicht ganz ernst zu nehmen. Das ist die Tragödie der Komödie.»
Nach einem abgebrochenen Studium und einem einjährigen Asienaufenthalt hatte er zu Beginn der 80er Jahre „die naive Idee, vom Schreiben leben zu wollen“. Also begann er 1982, Beiträge für das Radio zu verfassen. Es folgten kabarettistische Hörspiele, diverse Kurzgeschichten und der erste Roman “Ich und Ich”.
1987 schrieb Köbeli mit “Zimmer frei” sein erstes Theaterstück. Zwei Jahre später entstand “Holzers Peepshow”, sein bislang erfolgreichstes Bühnenwerk, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Köbeli hat es 2004 überarbeitet und im Casinotheater Winterthur selbst inszeniert: Mit Birgit Steinegger und Walter Andreas Müller als Ehepaar Holzer und Ueli Beck als Grossvater.
Markus Köbeli ist heute Autor (unter anderem für das „Schreckmümpfeli“ und lange Zeit für die Satiresendung „Zweierleier“ auf Radio DRS 1) und Autor/Regisseur beim Schweizer Fernsehen (unter anderem für „Total Birgit“ und „Viktors Spätprogramm“).
Das Hauptinteresse seines Schaffens gilt der Fantasie. Markus Köbeli sieht in der Fantasielosigkeit eines der Hauptübel unserer Welt. Er ist überzeugt, dass man als Autor die Fantasie spielen lassen muss, wenn man die Wirklichkeit beschreiben will. Er plädiert für ein respektloses, fantasievolles Theater. Dazu eigne sich die Komödie vorzüglich:
«Also lachen Sie, aber tun Sie es mit dem nötigen Ernst.»
Regie:
Regie führen wird die Zürcher Regisseurin und Theaterpädagogin Susanne Zürrer, die bei den Spielleuten von Seldwyla bereits das sechste Mal inszeniert. Ihre Schwerpunkte und besonderen Fähigkeiten liegen in den kleinen Details, die sie mit viel Liebe ausgestaltet. Susanne Zürrer inszeniert mit grosser Begeisterung ernste und heitere Stücke von der Biedermeierzeit bis zur Moderne, von der kleinen Komödie bis zum Musical. Nächstes Frühjahr zeigt das von ihr geleitete Estrich-Theater Zürich im Bernhard Theater „Anatevka – Fiddler on the Roof“.
Holzers Wochenendausflug
Die Proben für das neue Stück der Spielleute von Seldwyla: „Holzers Peepeshow“ laufen bereits auf Hochtouren. Jeweils zweimal pro Woche wird fleissig geübt.
Am Wochenende vom 2./3. Februar gingen Holzers dann zusammen mit Ueli, unserem Ätti auf dem Ofenbänkli und der Regisseurin Susanne nach Rüedlingen ins Probewochenende. Im Zürihuus gab es sowohl einen grossen Saal zum proben, als auch viele typische Lagerbetten und sogar ein Klavier, welches dann jedoch spontan zum Buffet im Wohnzimmer umbesetzt wurde.
Für das leibliche Wohl sorgte nicht nur Michis sensationelle Espressomaschine, sondern auch die mitgebrachten Gipfeli und Linsertorte von Ursi und Susanne. Nicht zu vergessen auch das üppige Frühstück mit Schinken und Eier. Wir waren selbst erstaunt, was für einen Frühstücksschmaus es gab; erprobte Gourmets halt ;-) Nur die sonst von Beat gelieferte Dosis Schokolade hat uns gefehlt. Wir zählen aber fest auf seine Schokoladenosterhasen kurz vor der Premiere, auch wenn die Ohren ja bekanntlich Madeleine gehören!
Die Proben begannen wie immer mit dem Wachklopfen aller Muskeln, sowie Atem- und Stimmübungen. Müsste ich diese hier vertonen, dann würdet es vielleicht folgendermassen aussehen: „Hhh-aaaa hhhaaaa-haaaaa, mmmmmm-aaaa!“ Sehr speziell, aber hilfreich!
Dann wurde intensiv am Gefühl der Wut geübt und ausprobiert, wie sich diese in Gestik, Mimik, Haltung und Stimme niederschlagen kann. Wird nur die Stirn kraus gezogen, die Fäuste geballt und zwischen zusammengepressten Zähnen hervor gezischt? Oder versucht jemand vielleicht sogar mit seiner Körpergrösse und Gebrülle zu dominieren? Bei Philippe hatten wir zwischenzeitlich ziemlich Respekt und haben uns dann fest vorgenommen, dass wir ihn nicht unnötig provozieren wollen in kommenden Vorstandssitzungen, man weiss ja nie ;-) Obwohl da bei Philippe ja kaum ein Risiko besteht, da wir ihn als geduldigen und ausgeglichenen Menschen kennen.
Nach diesem spannenden Input über die Äusserung und Facetten von Gefühlen, stiegen wir fleissig in den Text ein und probten verschiedene Szenen des Stücks.
Um die unterschiedlichen Stimmungen in den Dialogen vom sturen Auswendiglernen des Textes loszulösen, unternahmen wir einen kleinen Spaziergang in der nahen Umgebung. Dieser startete mit leichter Verzögerung, da sich vorher noch einige Spielleute am Gireitsli mit lautem JUUUHUUUI austoben mussten. Dann wurde während dem Laufen getextet und ausprobiert, wie sich die Aussagen auch auf das Schritttempo auswirken oder ob man jemandem davonläuft, ihn ansieht etc.
Eines unserer Highlights bestand an diesem Wochenende ganz klar in den Probesequenzen mit Ueli, welcher in seiner Rolle als Grossvater jetzt schon glänzt! Da der arme Ätti immer mal wieder vom Ofenbank rutscht, Suppe über den Tisch prustet, mit einem lauten RATSCH eine Seite der Zeitung umblättert oder mit dem Rollstuhl gefährlich nahe an den Bühnenrand saust, gibt es immer wieder ganz unerwartet zu tun und man kann sich nicht mehr einfach nur auf seinen Text und Einsatz verlassen. Ueli hält uns also als Ätti ganz schön auf Trab, was ihm, wie ich vermute, sehr viel Spass macht ;-)
Mein persönliches Highlight vom Wochenende war die Heideszene, bei welcher die Familie Holzer für die Touristen eine Szene aus der Heidigeschichte nachstellt. Ich musste als Heidi durch den Raum hüpfen, mit viel zu hoher Stimm piepsen und mich dabei noch beherrschen, dass ich nicht jedes Mal einen Lachanfall bekomme, wenn Michi mit seiner hohen (leicht quietschend unheimlichen) Geissenpeterstimme vom Tisch, dem „Geissenpeterhochsitz“ runter quiekte! Auch Philippe als Pöstler und Ursi als Klara waren allerliebst!
Insgesamt war das Wochenende ein voller Erfolg und am Donnerstag geht es wie gewohnt und mit viel Spiellust im Probelokal weiter. Dann kommen noch vertieft Jodelproben dazu, ihr seht, das diesjährige Stück enthält für alle etwas!
Weitere Infos zu den Proben folgen noch…bis dahin noch eine kleine Umfrage bei euch:
Wenn ihr zurückdenkt an eure Kindheit, als ihr die Heidigeschichte gehört oder gelesen habt, wie habt ihr euch Heidi, den Geissenpeter und Klara vorgestellt? Wie sehen diese Charaktere für euch typischerweise aus?
Liäbs Grüässli
Anina und i dem Sinn au di ganz Familie Holzer
Hans Holzer Junior (Michi Gsell):
Anna Holzer (Anina Peretti):
Martha Holzer (Ursi Pfeiffer):
Hans Holzer (Philippe Pfeiffer):
Hans Holzer Senior (Ueli Seiler):
Regie: Susanne Zürrer